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Zur aktuellen Sexismus-Debatte …

Die gegenwärtige Sexismus-Debatte nervt. Sie ist hysterisch, populistisch und bigott. Es soll hier nicht verharmlost oder negiert werden, was im Umgang der Geschlechter an Unsäglichem, Indiskutablem, Inakzeptablem, Verwerflichem abgeliefert wird. Aber in der ganzen Diskussion darum, was Männer Frauen und Frauen Männern sagen dürfen, was kleidsam-sittsam oder vielleicht des Wenigen zu viel ist, wo Narzissmus endet und das Spiel mit dem Feuer beginnt und und und …, in all der Ereiferung wird eines komplett vergessen: Zuvorderst geht es um Anstand! Um eine offenkundige Antiquität – im Wort wie in der Haltung.

Es ist ausschließlich eine Frage des Anstands, wie man sich einander nähert, einander anspricht, was man rüberbringt, wie man miteinander umgeht. Die Gedanken sind frei, und es werfe den ersten Stein, wer sich noch nicht bei unkeuschem Denken oder gar allerlei Phantasien ertappt hat. Aber das behält man für sich und geriert sich nicht derart unanständig wie dieser zauselige Polit-Popanz, der in seiner gockeligen Selbstüberschätzung Auslöser der aktuellen Aufregung ist.

Mit Schimmel überzogene Tugenden

Freilich, wer Zivilcourage hat, lässt sich so was auch nicht gefallen, bloß wegen eines  vermutlich ohnehin belanglosen Interviews mit Politsprech-Antworten. Der watscht den Flegel wörtlich oder buchstäblich direkt ab, statt das Unbehagen bis zu irgendeinem opportunen Zeitpunkt zu horten, um es dann zu skandalisieren.

All das macht man schlichtweg nicht! Es gehört sich nicht!

Anstand, das sind: Höflichkeit, Manieren, Respekt, Rücksicht, Unaufdringlichkeit, Bescheidenheit, auch Charme oder/und Ritterlichkeit in wohldosiertem Maß. Tugenden – neudeutsch: Ressourcen, noch neudeutscher: Skills –, die immer weiter verkommen, die der Zeitgeist offenkundig mit dem Schimmel des Altmodischen, Gestrigen, Uncoolen, Schwächlichen überzogen hat.

Das wär´doch eigentlich die wirklich wichtige Debatte: die um den beklagenswerten Verfall der Werte, um die heillos nekrotisierende Gesellschaft.

Quotenträchtige Pikanterien

Doch wer traut sich da schon ran, angesichts der erwartbar unangenehmen Wahrheiten und unlösbaren Erkenntnisse. Dann lieber den Sexismus rausklauben; das Thema lässt sich so schön mit spitzen Fingern sezieren. Es ist herrlich quotenträchtig, mehr als ordentlich vermarktbar, taugt für veritable Schlagzeilen und Shitstorms. Unter dem Mantel der Tugendwächterei kann man tratschen und sich im Sinne rückhaltloser Aufklärung noch genüsslich an allerlei Pikanterien aufgeilen ergötzen. Selbst sogenannte seriöse Medien dürfen jetzt mal boulevardesk sein, weil die Chronistenpflicht ja von der Gesellschaftsrelevanz legitimiert wird.

Diese Sexismus-Debatte ist mit ihrem schlüpfrigen Voyeurismus in sich selbst komplett sexistisch; ihre Protagonisten machen sich des unbewussten oder ungenierten Sexismus‘ verdächtig. Wo bleibt der Anstand?

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