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Senior Open Championship im schönen Turnberry …

„Schön“ ist ein aus der Mode gekommenes Adjektiv. So eins wie „gut“. Beiden haftet im modernen Sprachgebrauch der Beiklang des Banalen, des Oberflächlichen an, wo es doch so viele Synonyme gibt – man schlage nur mal nach –, um vermeintliche Wortkunst zu zelebrieren, aber oft bloß Redundanz zu erzeugen. Und was hat das jetzt mit Golf zu tun?

Der Juli ist ein schöner Golf-Monat, weil das vom Golf-Mainstream nicht selten stiefmütterlich behandelte Linksgolf in den großen Fokus rückt.* Unmittelbar nach der Open Championship steht traditionell die Senior Open Championship im Kalender; auf das „hässliche Entlein“ Royal Lytham & St. Annes folgt in diesem Jahr der „Schwan“ Turnberry: Einer der ganz großen Namen im Golf, einer der ältesten und traditionsreichsten Golfplätze der Welt – und einer der schönsten Linkskurse überhaupt.

Turnberry mit Leuchtturm und „Ailsa Craig“: Grandioser Ausblick.

Genau genommen ist vom Ailsa-Kurs die Rede. Denn Turnberry ist mittlerweile ein Resort mit zwei 18-Loch-Plätzen, einem 9-Loch-Kurs und all dem Drumherum, das zu einem Sport-Wellness-Lifestyle-Resort nun mal dazu gehört. Der Ailsa Course freilich ist das Herzstück der Anlage: 1906 mitsamt einem Luxushotel gebaut, war der Linkskurs an der zerklüfteten Küste von Schottlands Südwesten seit 1977 Schauplatz von vier Open Championships und nunmehr sieben Senior Open; mit dem Leuchtturm am äußersten Zipfel und den grandiosen Ausblicken auf die Felseninsel Ailsa Craig in der Irischen See ist er einer der meist fotografierten Flecken der Golf-Weltkarte. Und sowieso vom ersten bis zum 18. Loch – die Wiederholung muss sein – einfach nur wunderschön!

Einer hat besonders schöne Erinnerungen an Turnberry: Tom Watson, der achtfache Major– und fünffache Senior-Major-Sieger aus den USA, gewann hier 1977 im legendären „duel in the sun“ mit Jack Nicklaus die zweite seiner fünf Open und 2003 die erste seiner bislang drei Senior Open. Noch vor zwei Jahren musste er sich, erneut auf dem Ailsa Course, erst im Stechen um den Claret Jug seinem Landsmann Stewart Cink geschlagen geben, nachdem er der versammelten Weltelite und einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen über vier Tage Linksgolf vom Allerfeinsten demonstriert hatte – als fast 60-Jähriger und 26 Jahre nach seinem letzten regulären Major-Erfolg, was ihn zum ältesten Top-Platzierten einer Open aller Zeiten macht. „Tja, stimmt!“ schmunzelte Watson jetzt: „Dieser Platz hat wohl einige Bedeutung für meine Karriere.“

„Ailsa Course“ von Turnberry: Einer der schönsten Linkskurse überhaupt.

So glaube denn auch niemand, dass es sich bei den Senior-Open-Kombattanten um eine Horde alter Knacker handelt, die sich mit ein paar alimentierten Preisgeldern die Rente aufbessern. Die meisten aus der Altherrenriege haben auf den regulären Profitouren in Europa und in den USA Golf-Geschichte geschrieben und zu ihren Zeiten das Geschehen dominiert. Es sind ganz große Namen darunter: Watson eben, Bernhard Langer, Greg Norman, Gary Player und und und. Sie alle handhaben ihr Golfbesteck unverändert famos, bloß die Schlaglänge leidet unter der altersbedingt nachlassenden Beweglichkeit und Schnellkraft. Mit Vollendung des 50. Lebensjahrs bietet deshalb die immer noch beachtlich dotierten Seniors Tour den gereiften Heroen eine geeignete und durchaus reputierliche Bühne.

Ab und an freilich zeigen sie den „Jungspunden“ doch mal wieder, wo Bartel den Most holt. Besonders auf Linksgolfplätzen, weil dort das „Shotmaking“ gefragt ist, die Kunstfertigkeit am Schläger, nicht die schiere Kraft. Vor einer Woche spielte Watson mit 62 Jahren an den ersten beiden Tagen der Open von Lytham & St Annes besser Golf, als seine beiden nicht mal halb so alten Flightpartner Martin Kaymer und Ryo Ishikawa zusammen; 2008 war es Greg Norman (Australien), damals 53 Jahre alt, der im Royal Birkdale Golf Club brillierte und schließlich geteilter Dritter wurde. Und ein Gary Player, neunfacher Major- und auch Senior-Major-Sieger aus Südafrika, ist mit seinen mittlerweile 76 immer noch in der Lage, weniger Schläge auf einer Runde zu spielen, als er Jahre auf dem (kerzengeraden) Buckel hat.

Schön!

Fred Couples auf dem Ailsa-Kurs: Senior-Open-Champion 2012.

PS zum Abschluss

Die Senior Open Championship in Turnberry endete mit überraschenden Parallelen: Es gewann der 52-jährige Amerikaner Fred Couples, den alle Golfwelt Freddy ruft und der als feiner Kerl gilt, mit einer bravourösen Schlussrunde von 67 Schlägen auf dem Par-70-Ailsa-Kurs. Der Masters-Sieger von 1992, der im vergangenen Jahr schon die Senior Players Championship gewonnen hatte, sicherte sich den Triumph mit einem Birdie auf der 18 – so wie Ernie Els bei der regulären Open in Royal Lytham & St Annes eine Woche zuvor. Auch einen großen Verlierer gab es: Bernhard Langer, der deutsche Altstar, machte es Adam Scott gleich und verspielte – ebenfalls als Führender ins Finale gegangen – auf den zweiten Neun sämtliche Chancen auf den Gewinn seines dritten Senior-Major-Titels und wurde schließlich nur geteilter Sechster. Tom Watson belegte Platz zehn.

* Übrigens: Es gibt tatsächlich sogenannte „Golfer“, die beim Begriff Linksgolf mutmaßen, dass dies entweder eine Sonderveranstaltung nur für Linkshänder sei, oder dass dann Golfplätze ausschließlich links herum (im Übrigen eine anzustrebende Design-Lösung) gespielt werden. Aber das wird eine andere Geschichte.

The Turnberry Resort/Golf im Internet
Zum Nachlesen: „Schöne“ Synonyme