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Munter blühen die medialen Stilblüten …

Sie haben es wieder getan. Sie tun es ständig. Deutschlands populärstem Streiter wider verbale Schlampereien und Ungereimtheiten, Bastian Sick, und all den dagegen vergleichsweise im Verborgenen wirkenden Sprachpflegern zum Trotz. Vokabel-Schluderei! Diesmal ausgerechnet in einem Medium, das wir gemeinhin zu den Leuchttürmen der Sprachkultur zählen. Die Süddeutsche Zeitung titelt in ihrem Online-Auftritt zur Stimmung in Bayerns Koalition: „Der nächste Krach ist schon vorprogrammiert„. Da ist er wieder, der Methusalem der Pleonasmen, im Sprachduktus offenbar ebenso unausrottbar verankert wie der Dativ nach „wegen“ und „während“.

„… während dem Turnier …“ war gestern im Golfbericht eines Internetportals zu lesen; und schon wieder „vorprogrammiert“, in einer Interviewfrage an Schauspiel-Grande-Dame Iris Berben, abgedruckt in einer eher nur regional bedeutenden Tageszeitung. Was die Malaise nicht besser macht.

Dass keine Missverständnisse entstehen: Es geht hier nicht um Formulierungen aus flotter Feder, nicht um einen spielerisch-leichtgängigen Umgang mit Sprache. Es geht um Stilblüten, um falsche Begrifflichkeiten. Der unselige Pleonasmus „vorprogrammiert“ scheint förmlich programmiert, wenn es gilt, etwas besonders Unausweichliches darzustellen. Aber wenigstens die „Süddeutschen“ sollten es als Leitmedium besser wissen. Nämlich, dass  programmiert sich vom griechischen Programma ableitet, dass die Silbe „pro“ (vor) und das Substantiv „Gramma“ (Geschriebenes, Buchstabe) schon Vorgeschriebenes, Vorbezeichnetes bedeuten und folglich ein weiteres „vor“ vor programmiert schlichtweg Unfug ist, doppelt gemoppelt.

Übrigens ebenso wie „aufoktroyiert“, immer wieder gern verwendet, aber deswegen dennoch ein Pleonasmus und nicht minder falsch, weil oktroyieren vom lateinischen Auctoritas (Einfluss, Ansehen) abstammt und auch ohne vorgesetztes „auf“ schon aufzwingen meint …

Und weil wir gerade dabei sind, noch eine Adresse an die Sportjournalisten, eine Riege, der Dieserhier zwölf Jahre lang in schreibender Funktion angehörte. Kollegen, ein Titel wird nicht „erfolgreich verteidigt“! Das Tätigkeitsverbum verteidigen – vielleicht könnte man es sogar als Zustandsverbum einordnen – impliziert den Erfolg, wenngleich möglicherweise zeitlich befristet. Genauso wie bei „schaffen“. Beispielsweise. Oder anders herum: Noch nie war die Nachricht zu vernehmen, jemand habe seinen Titel erfolglos verteidigt. Sic!

Also: Jemand verteidigt etwas, endgültig und damit automatisch erfolgreich. Oder solange – und damit automatisch erfolgreich –, bis er seine Verteidigung nicht mehr aufrecht erhalten kann. Weil er aus welchem Grund auch immer nicht mehr in der Lage war zu tun, womit er bis dahin erfolgreich war.

Apropos „kann“. Hört man auch stets und ständig (eine Tautologie übrigens, Wiederholung mit sinnverwandten Begriffen): „Er konnte seinen Titel (erfolgreich) verteidigen.“ Nein, er konnte nicht, er hat! Er konnte seine Verteidigung aufrechterhalten, bis … Er konnte auch seinen Vorsprung beibehalten, die Mannschaft konnte ihre Führung behaupten (etc. etc.), bis … Oder „ehe“. Oder „weil“. Immer temporär oder kausal. Zeitabläufe, Fähigkeiten, Umstände. Bei der singulären Meldung einer Titelverteidigung ist „konnte“ indes deplaziert. Er hat seinen Titel verteidigt. Fakt. Punkt. Ende. Allenfalls konnte er seinen Titel Jahr um Jahr verteidigen, bis-weil-ehe …

Manche finden das seltsamerweise schwer – Achtung, es wird spitzfindig! Dieserhier findet es nicht schwierig. Vielleicht nicht unbedingt ganz einfach. Auf keinen Fall leicht …

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