Robert Ruark

Khan Sahib Jamshed Butt knipste die Lampe an. Gerade noch rechtzeitig, um den Schwanz meines toten Tigers im hohen, staub-gelben Gras verschwinden zu sehen, und alles, was wir noch auf dem Boden hatten, war ein zu einem Viertel angefressener zahmer Büffel. Das, sagte der Rabe, und nichts sonst … Goldiger alter Ein-Kugel-Bob. Verlierer im  Pfannkuchen-Wende-Wettbewerb des Lagerfeuerklubs … Wir erklärten es den Gonds und dem Wildhüter, krochen den Baum hinunter und gingen eine Meile durch den schwarzen Dschungel, der jetzt außer den Kobras noch einen angeschossenen Tiger barg.

Robert Ruark über eine missglückte Tigerjagd in “Safari”, 1962

… war einer der renommiertesten, meistgelesenen und höchstbezahlten Journalisten seiner Zeit in den USA, ein meist lakonischer, zuweilen sardonischer, aber immer grandioser Fabulierer, ein hinreißender Novellist und Romancier, weniger lyrisch als Hemingway, aber viel subtiler als Robbins. Ruark war Lebemann und Macho, aber auch Suchender im “Trispalt” zwischen dem stützenden Gewerk von spießbürgerlicher Routine, parvenüeskem Hedonismus und dem “Bazillus Africanus”, der unstillbaren Hinfälligkeit an den sogenannten Schwarzen Kontinent.

Dort, vor dem Hintergrund der Entkolonialisierung Kenias, fand Ruark auch die Themen seiner Afrika-Romane “Die schwarze Haut” (1955) – von MGM mit Rock Hudson und Sidney Poitier sogar verfilmt – und “Uhuru” (1962), “deren künstlerisches und soziales Engagement weltweites Aufsehen erregte”, wie der Goldmann-Verlag in den Taschenbuch-Ausgaben notierte. Ebenfalls 1962 kam “Safari” heraus, eine Sammlung eigener Erlebnisse und aus den Romanen entnommener Jagdgeschichten des leidenschaftlichen Großwildjägers Ruark. Während Ruarks amerikanisches Oeuvre insgesamt 15 Bücher und Novellen umfasst, erschienen in Deutschland lediglich noch “Nie mehr arm” (1959), die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines zynischen Unternehmers, und – posthum 1965  – eben “Der Honigsauger“.

“Ruark schildert das vielschichtige Abenteuer eines vitalen Lebens”, notierte sein deutscher Stammverlag Blanvalet damals im Klappentext. “Mit oft schockierender Offenheit seziert er die Erfahrungen eines erfolgreichen Mannes mit den Frauen, die er liebt, mit der Ehe, die ihn einengt und deren Verantwortlichkeiten er scheut, mit dem Ungenügen an sich selbst. Ein schonungslos aufrichtiges Porträt eines Menschen dieser Zeit, das man fast ein Selbstporträt nennen könnte, so nahe liegen die autobiographischen Parallelen, die Robert Ruark, der kraftvolle Einzelänger unter den bedeutendsten Erzählern Amerikas, in diesen letzten seiner großen Romane hat einfließen lassen.”

Robert Chester Ruark, der mächtige Schreiber, Sammler großer Trophäen, Stierkampf-Afficionado, starke Raucher und Trinker, wurde nur 49 Jahre und sechs Monate alt. Nicht Büffel, Tiger oder Stier rafften ihn dahin, sondern der Suff. Er starb am 1. Juli 1965 in London an Leberzirrhose, wahrscheinlich als Folge seines Alkoholismus. Bestattet ist er in Palamos/Spanien, wo er seit 1953 nach dem Verlassen der USA gelebt hatte.

Dieses Blog ist auch eine Reverenz.

Robert Ruark Society
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