… namens Charisma

George Clooney wird derzeit regelmäßig in Berlin gesichtet. Als Filmschaffender. Als Preisempfänger. Als Restaurantbesucher. Gern fällt eine Vokabel, wenn‘s um den Hollywood-Star geht: Womanizer. Aber was ist das überhaupt, ein Womanizer?

Der erste Blick geht in die Lexika. Hilft aber nicht wirklich. Frauenheld, Casanova, Lebemann, Don Juan steht da. Das trifft‘s nicht. Auch wenn sich beides nicht ausschließen muss: Ein Womanizer ist so wenig automatisch ein Schürzenjäger wie ein Appetizer direkt Völlerei suggeriert.

Der Duden offenbart weiterführende Synonyme: Charmeur, Verführer, Charmbolzen, Herzensbrecher. Ursula von der Leyen war wie vom Donner gerührt, als Clooney sie neulich bei der Verleihung des Medienpreises herzte. Ja, das können sie, die Womanizer dieser Welt. Smart sind sie. Charmant. Stilvoll. Manierlich. Gentlemen zumeist. Jeder auf seine Art. Eines aber ist allen gemein: Charisma! Diese ganz besondere Duftnote. Esprit. Ausstrahlung. Haltung. Charakter. Ritterlichkeit. Das summiert sich zu Sexappeal.

Entzücktes Erschauern

Ob sie diese Tugenden tatsächlich haben, weiß man nicht. Doch man traut es ihnen zu. Man, nein Frau traut ihnen vermutlich eine Menge zu, hie und da vielleicht mit entzücktem Erschauern. Es ist dieses vielzitierte, fast undefinierbare gewisse Etwas. Clooney hat‘s, aber den lassen wir fürderhin außen vor.

George Clooney: Inbegriff des Womanizers. Foto: Sam Javanrouh | flickr/cc

Wer noch? Die Schauspielkollegen: Al Pacino. Jeff Goldblum. Sir Anthony Hopkins natürlich. Sind Jude Law oder James Franco schon welche? Jetzt schon? Wird aus dem Beau Matthew McConaughey auch ein Womanizer? Im gleichnamigen Film hat er den zwar gespielt, der Plot aber sah lediglich einen mit Frauenpower spät geläuterten Ladykiller vor. Und Clooney (nur das eine Mal noch) damals in Emergency Room: Bloß ein Schönling? Oder bereits ein Womanizer?Was ist mit den Goldkehlchen: Michael Bubblè? Smart, das gewiss. Plácido Domingo? Sting? Womanizer, auf jeden Fall!

Gianni Agnelli, der Fiat-Patriarch, war auch einer, ohne Frage. Nicht seiner Millionen wegen – außer für banale Gemüter –, sondern weil er Profil hatte. Ein Typ halt. Wie Leonard Bernstein, der große Dirigent. Charisma nährt sich aus Erfahrung. Aus Reife, Wissen, Können. Auch aus Position und aus Macht. Geist ist geil. Erst recht, wenn das Ganze mit gutem Aussehen, mit den Augenfältchen des Zwinkerns und den Grübchen des Lächelns daherkommt. Die Mischung macht‘s.

Keine Einheitsformel

Mit dem Charisma verhält es sich freilich wie mit der Schönheit. Beides liegt im Auge des Betrachters. Geschmacksache sozusagen. Jeder wirkt anders, nimmt anders wahr. Die Gattung Womanizer hat keine Einheitsformel, steht aber mindestens für Individualität. Genau das ist möglicherweise eine Erklärung: Womanizer weichen vor allem von Allerweltsmustern ab. Sie sind – und wenn nur um Nuancen – anders als sattsam Gewohntes, als Weichgespültes und mit dem Strich Gebürstetes. Da fängt der Reiz an. Aber auch der fruchtbare Boden für Blender. Quandt-Tochter Susanne Klatten hat es mit ihrem Schweizer Belami erlebt; ganz Deutschland mit dem fränkischen Minister-Baron – nur Womanizer-Kopien, die zwei.

Britney Spears trällerte einst: „Du machst mich an, Du bist so charmant; Du denkst, ich sei nichts anderes als ein Opfer; Aber ich werde dir nicht verfallen; denn ist weiß was du bist – ein Womanizer.“ Nun ja, die Expertise des Pop-Sternchens in dieser Angelegenheit darf bezweifelt werden.

Ureigene Attitüde

Von Schürzenjägerei ist das Phänomen Womanizer nämlich meilenweit entfernt. Wenn Bill Clinton als Womanizer gilt, dann nicht wegen seiner Anziehungskraft auf Praktikantinnen, sondern weil der einstige US-Präsident ein einnehmendes Wesen hat, charmant und witzig ist und keinerlei Dünkel erkennen lässt. So wie sein Nach-Nachfolger Barack Obama übrigens auch. Vom entfernten Vorgänger John F. Kennedy gar nicht zu reden. Der war zudem ein markiges Mannsbild und vom geheimnisvoll-anziehenden Pheromon des Upper-Class-Adels umweht.

Womanizer faszinieren. Womit auch immer. Sind Typen. Souverän in ihrer ureigenen Attitüde. Eine seltene Spezies. Darauf einen Tusch. Am besten von Jazz-Trompeter Till Brönner, Womanizer auch er.

Eine Frage bleibt: Wie nennt man eigentlich Frauen, die uns Männer in chevaleresker Anbetung aufs Knie sinken lassen?

(Dieser Text erschien auch im Gentleman-Blog)
 

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