Allerlei zum Masters: Club, Turnier

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Eine ge- und auch ziemlich verschlossene Gesellschaft

Bobby Jones’ Partner Clifford Roberts übernahm 1934 als Präsident das Kommando und regierte den Augusta National Golf Club bis 1976. Der dünkelhafte New Yorker Börsianer legte das Fundament für eine erzkonservative und rigide Haltung, die den elitären Zirkel bis heute zu einer geschlossenen und auch ziemlich verschlossenen Gesellschaft macht. Wer der auf rund 300 Mitglieder limitierten Gilde beitreten darf, das wird intern ausgeguckt. Neuzugänge werden berufen. Bewerben geht gar nicht. Im Gegenteil. Derartige Dreistigkeit ist der sicherste Weg, keine Einladung zu bekommen.

Wobei es Einladung nicht wirklich trifft. Die Auserkorenen erhalten kommentarlos ein Formular mit der Konto-Verbindung und der zu überweisenden Summe. Die Aufnahme soll zwischen 10.000 und 30.000 Dollar kosten, der Jahresbeitrag maximal 3.000 Dollar. Eher preiswert für so einen Nobel-Club. Aber das Masters spült so viel Geld in die Kasse, dass es auf eine Handvoll Dollar nicht ankommt. Nicht mal auf ein paar Millionen. Und schon gar nicht auf die öffentliche Meinung.

Condoleezza Rice in Grün: Seit 2012 zwei weibliche Mitglieder. ©: mib

Weibliche Mitglieder nach über 80 Jahren

Als 2002 Feministinnen einen Aufstand gegen die damalige Männer-Bastion inszenierten, brachte das die Masters-Sponsoren in arge Bedrängnis. Die Augusta-Granden nicht: Sie zogen ihren TV-Quoten-Hit in den nächsten zwei Jahren einfach ohne Werbung durch. Danach war der Krawall verraucht. 2012 wurden tatsächlich die ersten weiblichen Mitglieder aufgenommen. Nach über 80 Jahren. Eine Sensation. Die beiden Ladies freilich passen gut zur elitären und feudalen Attitüde: Condoleezza Rice war George W. Bushs Nationale Sicherheitsberaterin und US-Außenministerin; die Finanzmaklerin Darla Moore entstammt altem Südstaaten-Geldadel, lebt auf einer einstigen Plantage in South Carolina und steht ebenfalls den Republikanern nahe. Damit ist man liberalen Gedankenguts ziemlich unverdächtig.

Ethnisch fragwürdige Vorschriften

Clifford Roberts war es auch, der den Seinen ins Stammbuch schrieb: „Solange ich lebe, sind bei uns die Mitglieder weiß und die Caddies schwarz.“ Südstaaten halt. Der Mann verschied 1977, aber es währte noch bis 1990, ehe das erste afro-amerikanische Mitglied aufgenommen wurde. Seit 1983 immerhin dürfen die Masters-Teilnehmer ihre eigenen Caddies mitbringen und müssen nicht mehr auf das Club-Personal zurückgreifen. Misslich ist für Augustas Zeremonienmeister, dass die Profis sich dabei nicht an die Pigmentierungs-Empfehlung von Mr. Roberts halten. Undenkbar ist aber auch, dass Caddies eventuell nicht als besondere Spezies identifizierbar wären. Also verpasst der Club ihnen ausgesprochen kleidsame weiße Overalls als Überzieher. In denen sehen sie dann aus wie die Tatortreiniger, während sie – egal bei welchen Wärmegraden – den Job an der Tasche ihres Profis verrichten.

Das berühmteste Kleidungsstück des Sports

Der Identifikation einer besonderen Spezies verdankt auch das “Green Jacket”, wohl berühmtestes Kleidungsstück des Sports, sein Dasein. 1937 schon kam der Club auf die damals – wegen des dicken Wollstoffs – wenig populäre Idee, seine Vasallen in grüne Sakkos zu gewanden, auf dass sie während der Turniertage für auskunftheischende Zuschauer direkt als Mitglieder erkenn- und ansprechbar seien. Als Siegertrophäe nebst Goldmedaille und Replika des Clubhauses in Silber – lebenslanges Startrecht in Augusta inklusive – wird der Dreiknopf-Einreiher in “Masters Green” (Pantone 342) seit 1947 verliehen. Der große kleine Sam Snead durfte sich damals als erster Professional in Grün feiern lassen. Bislang unerreichte sechs Mal trug Jack Nicklaus den speziellen Zwirn, zwei Mal allerdings auch Bernhard Langer als bislang einziger Deutscher.

Charl Schwartzel und Bubba Watson (r.): Der Vorjahressieger hilft dem Champion ins grüne Sakko.Foto: www.masters.com
Charl Schwartzel, Bubba Watson (r.): Der Vorgänger hilft dem Champion ins grüne Sakko. ©: masters.com

Ritual um ein Stück Stoff

Das Material, aus dem dieser Golfer-Traum gemacht wird, ist längst leichter geworden. Am Ritual ums “Green Jacket” indes hat sich nichts geändert. Zwei Mal am Final-Sonntag hilft der Vorjahresgewinner (bei Titelverteidigung der Clubvorsitzende) dem Masters-Sieger ins begehrte Stöffchen: Zuerst bei einer kleinen Ehrung in Butler’s Cabin, einem der zehn Gästehäuser auf der Anlage. Dann vor großem Publikum auf dem 18. Grün.

Ein Jahr lang durfte zuletzt der amerikanische „natural born Golfer“ Bubba Watson das “Green Jacket” bei all dem Rummel tragen, der um ihn gemacht wurde. Zur Masters-Woche 2013 musste der Mann, der nie eine Golf-Unterrichtsstunde hatte, es wieder mitbringen: Als Zeichen der Zugehörigkeit zum Masters-Club der Sieger, um im Sakko seinem Nachfolger zu assistieren und, nicht zuletzt, um darin dem Championsdinner vorzusitzen. Fürderhin verbleibt das “Green Jacket” in einem der persönlichen Spinde, die sich die Champions teilen, und wird nur noch während der Turnierwoche gelüftet.

Das Championsdinner (hier die Herren von 1963): Tafelrunde mit gelegentlichen kulinarischen Zumutungen. Foto: www.masters.com
Die Tafelrunde der Champions (hier 1963): Gelegentliche kulinarische Zumutungen. ©: masters.com

Haggis und Schwarzwälder Kirschtorte

Neudeutsch-Anhänger nennen so etwas wohl “Get Together” oder “Meet and Greet”: Ben Hogan schlug es 1952 vor, seither trifft sich der Zirkel der Sieger immer dienstags in der Masters-Woche zum Abendessen. Der amtierende Champion lädt ein, darf präsidieren und die Zeche bezahlen, dafür immerhin bestimmen, was beim Dinner der Gewinner auf den Tisch kommt. Es liegt nahe, dass sich der Gastgeber für seine Leibspeisen entscheidet: Tiger Woods ließ anlässlich seines ersten Sieges 1997 im Jahr darauf Cheeseburger, Hühnchen und Milchshakes servieren. Oder für die Küche seines Heimatlands, wie Bernhard Langer, der zwei Mal in Augusta gewann, und dann 1986 den Hauptgang Sauerbraten bzw. 1994 als Dessert Schwarzwälder Kirschtorte kredenzte.

Erwähnt werden muss das Menü von Sandy Lyle beim Championsdinner 1989. Der Schotte ließ das Nationalgericht Haggis zubereiten, zusammengekocht aus Innereien, entstanden aus der Schlachtreste-Verwertung. Der eine oder andere seiner Gäste wird heilfroh gewesen sein, dass es der illustren Tafelrunde bei kulinarischen Zumutungen frei steht, à la Carte aus dem Clubhaus-Restaurant zu bestellen.

Augustas berühmtes Clubheim samt Krähennest: Herrenhaus für eine gschlossene Gesellschaft. Foto: fred-jala | flickr/cc
Clubheim samt Krähennest: Herrenhaus für eine zumeist geschlossene Gesellschaft. ©: Fred Jala | flickr/cc

Über allem thront ein Krähennest

Ach ja, das Clubhaus: Bobby Jones wollte das ursprüngliche Bauwerk eigentlich abreißen und ein maßgeschneidertes Golferheim errichten. Was aber am Geld scheiterte. Heute kann sich niemand mehr Augusta ohne sein einzigartiges Clubhaus vorstellen. Und über allem thront „Crow‘s Nest“, das Türmchen auf dem Dach. Mit seinen rund 110 Quadratmetern bietet es Platz für fünf Personen und wird seit 1969 als preiswerte Unterkunft für den aufstrebenden Amateur-Nachwuchs angeboten. 14 Dollar kostet eine Koje pro Nacht, das Erlebnis Masters ist unbezahlbar.

Medien-Dikat mal umgekehrt

Noch ein Wort zur angeblichen Macht der Medien. In Augusta hört auch die an „2604 Washington Road“ auf. Da, wo sich das Tor zur berühmten Pracht-Zufahrt Magnolia Lane öffnet. Der Club arbeitet exklusiv mit dem TV-Sender CBS. Seit 1958. Und macht nur Einjahresverträge, um stets aufs Neue die Konditionen zu bestimmen. Vier Minuten Werbung pro Übertragungsstunde kriegt der Sender genehmigt. Dafür darf er an einigen Löchern keine Kameras aufstellen. Es soll nicht auch noch der letzten Winkel von Augusta National öffentlich werden. Aber in Butler‘s Cabin hat CBS das erste Interview mit dem frisch gebackenen Masters-Sieger und überträgt exklusiv die kleine „Krönungs“-Zeremonie.

Arnold Palmer, Gary Player und Jack Nicklaus (v.l.): Golf-Großmeister als Ehrenstarter des Masters. Foto: www.masters.com
Arnold Palmer, Gary Player, Jack Nicklaus (v.l.): Golf-Großmeister als Ehrenstarter. ©: masters.com

Heroische Eröffnung

Als Ehrenstarter eröffnen stets die ältesten noch lebenden Masters-Sieger donnerstags das Turnier. In diesem Jahr übernahmen das erneut: Arnold Palmer, 83, “The King” (vier Siege); Gary Player, 77, “The Black Knight” (drei Siege) und Jack Nicklaus, 73, “The Golden Bear” (sechs Siege, der erste vor genau 50 Jahren). Dafür finden sich sogar Spieler mit viel späteren Startzeiten frühmorgens als Zuschauer am ersten Abschlag ein. Palmer, Nicklaus und Player sind nun mal die Großmeister des Golfsports. Alle drei überdies durchaus noch in der Lage, ihr jeweiliges Alter zu unterspielen, sprich: weniger Schläge für 18 Loch zu benötigen, als sie Lebensjahre zählen.

Und damit zum Sport!

Credits:
Das „Allerlei“ findet sich in komprimierten Form auch in diversen Beiträgen für Golf Post – Das deutsche Online-Magazin für Golfer und entstammt u. a. folgenden Quellen:
– www.masters.com
– Bobby  Jones – Golf is my Game, Flagstick Books
– Life & Times of Bobby Jones, Sleeping Bear Press
– Augusta National and The Masters, Sleeping Bear Press
– last, but not least: dem Kopf des Autors
 
 
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